Cindy kauft sich ein Kleid bei H&M und zieht ins West Germany


Cindy kauft sich ein Kleid bei H&M und zieht ins West Germany
in Zusammenarbeit mit Jim Spastics und Hans Gender

Konzept/Performance: Ulla Bernhard, Eva Burghardt, Hannah Georgi, Greta Granderath,
Maritta Horwarth, Iris Kleinschmidt, Mathilde Walter
Kamera:
Arne Strackholder

Premiere: West Germany – Büro für Postmoderne Kommunikation 2009
Hebbel am Ufer 2, 100° Festival Berlin

Okay, unsere Identität entsteht durch Behauptungen und Zuschreibungen. Aber die Frage ist doch: Kann ich damit beim Bäcker sieben Kaffee bestellen? Bin ich mein eigenes Kollektiv? Was ist das Gegenteil von Wieder- erkennungswert und wie kann ich mich darin bewegen? Wie kann ich meine eigene Geschichte nicht im Ausschlussverfahren erzählen, sondern als Erweiterung eines nicht endenden Repertoires? Kann ich all diese Images in Zwiebeltechnik übereinander tragen? Sieben Frauen legen auf Karteikarten eine neue Identität an: Cindy, das bin ich. Karte für Karte füllen wir einen Lebenslauf auf, mit unseren Eckdaten, mit euren Outfits, mit Blicken aus der U- Bahn, mit Kinderfotos, Posen, Interviewfragmenten und Filmszenen am Kottbusser Tor.

Dann liegt eine Identität aus zweiter Hand vor uns auf den Fliesen. Aber wir passen diesen Lebenslauf nicht an einen Verwendungszweck an, sondern lassen den Ventilatorwind entscheiden, wer wir heute sind. Vielleicht erzählt die Art, wie ich eine ehemalige Arztpraxis wische, mehr über mich als mein Geburtsort?

Auf dem Balkon, unter schlafenden Satellitenschüsseln, könnt ihr uns wiedererkennen: Ulla, Eva, Hannah, Greta, Maritta, Iris, Mathilde.

Aber eine Umkleidekabine ist unser Transitraum, von dem aus wir das Innere betreten, die Zimmer ohne Wände. Dort werden wir nach und nach zu Cindy. Auch wenn der Bob schief sitzt und wir in euren Schuhen stehen: Das bin ich.

Fotos: Barbara Günther- Burghardt